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Ich war früher auch kein Engel

alt-und-weise-spruch

 

Um alt und weise zu werden - musst du zuerst jung und dumm sein...

Diese Weisheit habe ich letztes Jahr im tschechischen Krummau in einem Geschenkelädle fotografiert. Dazu habe ich mir einige Gedanken gemacht. Heute möchte ich diese einmal loswerden und zum Gedankenaustausch anregen. Wer also Lust hat seine Meinung dazu zu äußern 🙂 Gerne kommentieren.

Um alt und weise zu sein - muss man zuerst jung und dumm gewesen sein...

Diesen Spruch fand ich so schön und es steckt viel Wahres für mich in diesen Worten.

Aber dazu müssen wir auch die Chance bekommen unsere eigenen Fehler machen zu dürfen? Sofort fiel mir dazu ein wie oft ich Mütter höre, die sich über ihre Kinder ärgern und dadurch unentspannt und gestresst sind.

Da gibt es jede Menge Unliebsames. Die Jugendlichen sind zu spät heimgekommen, haben das rauchen angefangen, wollen sich tätowieren lassen, sind zu faul zum aufräumen, lernen - Fehlanzeige, sie haben nur das andere Geschlecht im Kopf, keine Zeit mehr um Oma und Opa zu besuchen, kommen nicht in die Gänge und so weiter und so fort.

Ja klar nicht! Die sind doch auch noch jung!!

Ich denke immer...ich war genau so!! Nix aufgeräumt, nur unterwegs, schminken, richten, Nägel lackieren, gut aussehen war Priorität Nummer eins. Alles stehen und liegen gelassen, in die Disco bis früh am nächsten Morgen, bis Nachmittags geschlafen, nix gelernt, schlechtes Zeugnis heimgebracht, blaue Briefe vom Rektor und Null Bock! Tja das war ich - und es war einfach nur richtig geil!!

Und jetzt soll ich meinen Kindern aus Vernunftgründen all das Schöne im Leben verbieten oder mich maßlos darüber ärgern, dass sie ihre Jugend genießen. Damit etwas aus ihnen wird?

Ich war früher auch kein Engel

Trotzdem ist aus mir, für meine Begriffe, auch etwas geworden. Obwohl meine Mutter nie gemotzt und nie gepredigt hat, was denn alles passieren kann. Geschweige denn, ob etwas gut oder eben nicht gut für mich ist. Wer kann das auch beurteilen?

Ich denke es war genau das Vertrauen meiner Mutter in mich, dieses entspannte Angenommensein, ohne jeglichen Tadel. Dadurch wurde auch ich zu einer Mutter, die dem Werden ihrer Kinder Vertrauen schenken kann.

Und Hurra, ich lebe noch! Trotz der Freiheiten die meine Mutter mir gelassen hat. Manchmal vermisse ich es, dass die Menschen keinen Sinn mehr dafür haben, was mal so herrlich unkompliziert war? Unsere Jugend nämlich, ohne Vernunftdenken und Zukunftsängste und perfektionistische Züge. Den Kopf frei von allem was belastet.

Ob etwas gut oder nicht gut für einen ist, erkennt man in der Regel erst nach einer Erfahrung die man gemacht hat. Diese Chance sollte jedem gegönnt sein. Die Rede ist hier allerdings nicht von Drogen - nicht, dass ihr mich falsch versteht.

Außerdem ist die Aussage "damit etwas aus dir wird" sehr fragwürdig. Wann und mit welchem Plan wird denn etwas aus einem? Man wird doch erst durch Erfahrung zu einem ganz bestimmten Menschen. Oft erkennt man auch seine Fähigkeiten erst spät und eben durch gewisse Erfahrungen.

Sind wir glücklicher, wenn andere unseren Werdegang für gut befinden? Oder ist uns das schlichtweg egal? Schließlich müssen wir das Leben leben, welches uns gut tut. Unsere Seele muss sich alleine von uns geliebt fühlen. Nicht von der Nachbarin, die uns mit Argusaugen bewacht und bewertet.

Menschen die uns gut tun sind diejenigen, die unsere Seele berühren indem sie uns kennen, lieben und annehmen wie wir sind. Warum sollen nicht auch unsere Kinder in diesen Genuss kommen? Der Rest, also die Menschen die uns nach unserem Äußeren und unserem Erfolg bewerten, kann getrost aussortiert werden.

Okay - kann zwar passieren, dass da nur wenige, echte Freunde übrig bleiben. Umso besser 🙂

Meine Kinder profitieren heute davon, dass meine Mutter mir so viele Freiheiten gelassen hat. Dadurch fällt es mir leichter darauf zu vertrauen, dass schon alles richtig laufen wird. Jedes Kind hat eben seine ganz eigene Zeit oder womöglich ein anderes Lebensziel als wir uns das gerne wünschen würden.

Auch das muss man akzeptieren lernen. Wir sind nicht für alles verantwortlich, was unsere Kinder tun und lassen. Aber unser Vertrauen in ihren ganz eigenen Weg macht sie stark. Früher habe ich die Erziehung meiner Mutter sogar bemängelt, weil ich ihr zeitweise die Schuld dafür gab, mich nicht zu mehr Leistung gezwungen zu haben.

Ich sehe die Dinge jetzt mit anderen Augen. Und heute erkenne ich, dass ich nicht da wäre wo ich bin, wenn Erziehungsdruck mein Leben und meine Entscheidungen beeinflusst hätte. Ich liebe mein Leben und möchte nichts eintauschen.

Natürlich ist daran im Wesentlichen mein Schatz beteiligt. Ihn hätte ich auf einem direkten, gut geplanten Weg, auf dem "etwas aus einem wird" sicher nicht gefunden. Er ist mein Seelenverwandter und liebt mich nach unseren vielen, gemeinsamen Jahren einfach so wie ich bin. Das wirkt ungeheuer entspannend im Trubel des Alltages.

Alles im Leben hat seine Zeit. Wachsen, gedeihen und reifen folgt einem bestimmten Rhythmus. Druck hilft da nicht wirklich. Wir sollten jedem unserer Kinder die ganz eigene Zeit zum Wachsen gönnen. Das nimmt so viel Druck raus.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich kann mich nicht über Ergebnisse freuen die durch Druck entstanden sind. Ich könnte sicher meine Tochter unter Strafandrohung dazu bringen ihr Zimmer aufzuräumen. Dann hätte sie zwar ein aufgeräumtes Zimmer - ich spüre aber keine wahre Freude über dieses zwanghaft erzeugte Ergebnis.

Räumt sie aber ihr Zimmer aus freien Stücken auf, weil sie es nicht mehr sehen kann, was bei mir schon vor Wochen die Grenze des Erträglichen erreicht hat, dann fühle ich, dass sie ganz bei sich ist. Mehr noch - sie genießt das Aufräumen sogar. Dann und nur dann stellt sich bei mir ein wunderbares Gefühl ein.

Zugegeben, ein seltenes Gefühl 😉

So ist es doch mit allem im Leben. Tun Menschen Dinge aus eigenem Antrieb, dann entsteht daraus etwas Positives.

Wenn keine Begeisterung vorhanden ist, die die Seele mit Wärme erfüllt, wird sich niemals Erfolg einstellen."

Natürlich ist mir klar dass man schwierige Kinder nicht einfach und immer machen lassen kann. Ebenso sollten sie auch ein gewisses Alter haben um ihre Entscheidungen zu treffen. Aber es fehlt seitens der Eltern oft Verständnis und das Zurückerinnern an die eigene Jugend.

Man entwickelt negative Gefühle für die Kinder, wenn sie nicht so funktionieren wie es eben zu sein hat. Diese Gefühle werden von Angst geschürt. Der Angst was die anderen sagen, der Angst was passieren könnte und wie es nach Mißerfolgen weitergeht.

Mit Sicherheit geht es, in allen Lebenssituationen, am besten mit der bedingungslosen Liebe der Eltern weiter.

In den Augen meiner Mutter hat bei mir sicher so Manches nicht funktioniert. Trotzdem war das nie Anlass für sie um einen Streit vom Zaun zu brechen oder mich zu demütigen.

Fokussieren wir uns auf die positiven Eigenschaften unserer Lieblinge, dann erledigt sich manches oft von selbst. Dinge die sich nicht erledigen, sollten nicht durch Liebesentzug bestraft werden.

Lassen wir sie ihre eigenen Erfahrungen machen - damit sie einmal alt und weise sein werden. Womöglich kommt das dann auch ihren eigenen Kindern zugute.

Was meint ihr?

Alles Liebe eure Biene

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2 Gedanken zu „Ich war früher auch kein Engel

    1. Biene

      Hey meine Süße,
      ich bin ganz gerührt, dass du diesen Beitrag gefunden und auch noch kommentiert hast. Ich liebe dich noch viel mehr als du dir vorstellen kannst.
      Deine Mami

      Antworten

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